Saturday, November 18, 2000

Tote Hasen und ein zerfetzter Reifen

Mom ist beruhigt, mein Bruder kümmert sich im Zweifel um alles.

Florian gibt Gas und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nach einer kurzen Rast am Rande der einzigen befestigten Überlandstraße in Namibia geht es auf die Schotterpiste und Dank Florian müssen mindestens drei Hasen ihr Leben lassen. Zumindest hätte er anhalten und mir am nächsten Tag Hasenbraten machen können.

Man könnte jedoch sagen, mit jedem toten Hasen meldet sich um so stärker das Rad zu Wort. Irgendwann wird dann jenes, was wir als normal für eine Schotterpiste angesehen haben, uns doch etwas zu laut und wir denken, wir halten mal kurz an. Und man könnte denken, der brennende Flieger hätte noch nicht gereicht so sahen wir ein total zerfetzten Reifen. Nun kann ich dies nicht ganz auf Florians hasentötende Fahrweise schieben, denn irgendwann - die Hasen werden es danken - hatten wir doch den Fahrer- und Beifahrersitz getauscht. Nützte aber alles nix, der Reifen musste gewechselt werden. Florians Papa sei Dank hatten wir eine Taschenlampe dabei, ich sorgte also dafür, das Florian ins rechte Licht gerückt Arbeiten konnte. Das nennt man(n) doch Arbeitsteilung - aber wir wollten auch weiterfahren.


Irgendwann nach weiteren Stunden auf vereinsamten Wegen und durch eine wirklich stockdunkle Nacht erreichten wir unsere Logde gegen 1 Uhr. Das mit der stockdunklen Nacht ist übrigens wörtlich zu nehmen, denn da weit und breit keine Stadt sich aus dem Boden emporhebt, sieht man nicht mal die Hand vor seinem Gesicht, wenn der Mond und die Sterne verdeckt sind. Also 1 Uhr bellten zwar die Hunde, aber unser Gastgeber war zwischenzeitlich zu Bett gegangen. Gut das Florian angerufen hatte und so konnten wir ihn bedenkenlos wecken, wenn er nicht durch seinen bellenden Hund sowieso erwacht war. Viel Interesse für die Natur hatten wir dann nicht mehr und sind nur noch ins Bettchen gefallen und sofort eingeschlafen.

Friday, November 17, 2000

Reisestart mit Hindernissen

Der IFLRY-Jahreskongress stand an und da JuLis wissen, wie sie die Welt sehen ging es diesmal nach Cape Town. Ich aber war urlaubsreif und deshalb sollte es vorher zur Entspannung nach Namibia gehen. Florian wollte mit oder wollte nicht mit, nach längerem Reifungsprozess entschloss er sich dann doch mal Namibia auszuprobieren.

Da ich zuvor noch ein Seminar in Gummersbach machen durfte, ging es für mich von Düsseldorf über London, während Florian von München über Zürich flog. In Johannesburg sahen wir uns dann wieder, er saß schon beim Kaffeeschlürfen, war ja auch schon eine Stunde vor mir in Johannesburg gelandet. Bis auf die kleinen Windboen beim Landesanflug ging bis dahin noch alles glatt. Florian war schon gestartet in Richtung Windhoek und ich sollte eine Stunde später nachkommen. Die Boeing 727-100 von Comair startete natürlich auch, bloss kam sie in Windhoek nicht an. Denn nachdem die Stewardessen - es war kein einziger Steward auf diesem Flug - gerade mit dem ersten Service durch waren, strömten sie zusammen, blickten in ihre Notfallkarten ... und machten die Durchsage: "Wegen eines Brands im Triebwerk müssen wir leider nach Johannesburg zurückkehren." Schnell mal die Notlandeposition geübt, die wichtigsten Sachen wie Reisepass und Kreditkarte aus der Tasche genommen und schon waren wir wieder in Johannesburg - abseits des Terminals. Das kleine Feuerschen war zwar schon wieder gelöscht, aber die Feuerwehr empfing uns trotzdem. Die ganze Aufregung war also umsonst - aber wie komme ich nun nach Windhoek, da wartet ja jemand auf mich ...
Erstmals durfte ich in der netten Lounge von British Airways Platz nehmen und das selbe Problem tat sich auch bei anderen Passagieren auf. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern hing schon seit zwei Tagen in Johannesburg, tolle Aussichten. Erstmal mit Florian telephoniert, der
schon in Windhoek wartete, aber sagen konnte ich noch nichts. Er sollte schonmal den Wagen holen ... ich meld mich wieder.
Und dann gab es noch ein anderes Problem, meine liebe Mom. Wenn die erfährt, dass in Südafrika ein Flugzeug notgelandet ist, kriegt sie die Panik. Wenn ich mit ihre telephoniere, werd ich arm - der Ausweg war dann doch mein Bruder, der schnell eine SMS mit den wichtigsten Informationen bekam: "Torsten ist notgelandet, alles heil geblieben."

British Airways war dann so frei und hat mir einen Flug mit Air Namibia spendiert. Kleine süsse Maschine und ich nahm auch noch eine österreichische Mutter mit ihrer Tochter mit. Sprachen kein Wort Englisch und haben mich gebeten, ihnen in Windhoek zu helfen.
Florian informiert, er soll nach Eros kommen und wann ich Lande und schonmal das Gaspedal klarmachen, damit wir schnell starten können. Und schon gings los, ne kleine süsse Maschine, neben mir ein Mitarbeiter von namibianischen oder südafrikanischen Wasserministerium, der
mich rasch mal über die aktuelle Lage informiert hat und schon gabs was zu essen. Der Kaffee viel aus: "Ladies and Gentlemen, we have a problem ... with the coffeemaker." Nach den ersten Worten dachte ich eigentlich schon, so ein Triebswerksbrand wird doch nicht zweimal am Tag vorkommen ...

In Windhoek waren die Formalitäten schnell erledigt. Von 2B war ich der Erste, der aus der Maschine raus kam, schnell durch den Zoll und die Grenzkontrolle durch, Florian wartete schon und ab gings Richtung Süden.
Stopp, da war doch noch was ... stimmt, die beiden Österreicherinnen. Die hatte ich doch glatt vergessen, so beschäftigt wie ich wiedermal war. Na gut dass in Namibia auch Deutsch gesprochen wird ... das beruhigte mein schlechtes Gewissen ein wenig.