Nun hieß es, doch die restlichen Tickets - für den Bus - zu kaufen. Der Flug von Windhoek nach Cape Town hatte ja nicht funktioniert und der Bus fuhr auch erst am Montag nach Cape Town. Also verschiebt sich alles um einen Tag, ein Tag weniger Cape Town, ein Tag mehr Swakopmund.
Also nutzte ich den einen gewonnenen Tag Windhoek, um das nachzuholen, was mir fünf Jahre vorher nicht gelungen war. Eine kleine Citytour durch die namibisch-deutsche Stadt.
Nun war gerade an diesem Tag die Eröffnung der Parliamentary Session, was zur Folge hatte, dass ich gleich zwei meiner Lieblingsbesichtigungen nicht nachkommen konnte. Sowohl das Parlament als auch die Christus Kirche war geschlossen. Ein Offizier hat mir dann erstmal erläutert, was so gerade vor sich geht an der Christus Church und so war ich auf eine freundliche Art über die wichtigsten Dinge informiert. Als ich ihm sagte, dass unsere Parlamentsferien im Sommer von Juni bis August stattfinden, hat er sich gar nicht mehr einkriegen können. Denn das Sommer nicht im Dezember bis Februar ist, konnte er gar nicht glauben und hielt das eher für ein Stück aus dem Tollhaus. Und das, obwohl seine Tochter in London studiert. Aber ich muss mich schließlich auch erst daran gewöhnen, dass ich im Winter bei 25 Grad durch die Straßen wandere ohne dicke Jacke, Handschuhe und sonstige kälteabweisenden Utensilien. Einfach in einer dünnen Baumwollhose und einem Sommerhemd.
Als ich dann mal fragte, ob es denn erlaubt ist, die Treppen zum Parlament hochzugehen, gab es kein Problem. Als ich dann jedoch den roten Teppich betrat und mich nicht als First Lady oder eine ähnlich hochgestellte Person ausweisen konnte, war es vorbei und mir wurde gesagt, ich sollte doch besser mal wieder den Abstieg wagen. Gesagt getan, dass innere des Parlaments bleibt also aufgehoben und so werde ich dies beim nächsten Mal ebenso erst in Angriff nehmen können ebenso wie das innere der Christus Church zu inspizieren.
Also wieder den Berg des Tintenpalastes runtergelaufen. Man nehme dann den kleinen, aber feinen Craft Market war, der einlädt zum Shoppen und Handeln. Man beachte dabei jedoch, schauen ist erlaubt, aber wer einmal nach dem Preis fragt, ist zum Kauf verpflichtet und beleidigt den Händler, wenn er nicht handelt.
Und dann gibt es da noch die Sanlam Mall. Für eine Kleinstadt durchaus ansehnlich, aber viel findet man dort nicht. Hier hab ich übrigens mal wieder meiner dritten Leidenschaft auf Reisen gefrönt: der Inspizierung von Buchhandlungen. Wirklich gut sortiert waren sie eigentlich nicht, gerade was die Bereiche History and Politics angeht. Diese beschränkte sich vor allem auf Namibia und Südafrika. Wer sich über die Geschichte dieses schönen Landes informieren möchte findet dazu dann doch eine bessere Auswahl 500 Meter weiter weg in einer wunderschönen kleinen deutschen Buchhandlung, die wirklich deutschsprachig ist und nahezu ausschließlich deutschsprachige Literatur verbreitet. Diese ist durchaus ausgewogen und nicht ganz so konservativ wie die „Allgemeine Zeitung“.
Für alle Namibia-Reisende sei übrigens das AUAS CITY HOTEL empfohlen. Auch wenn mein beruflich geübtes Auge so einige kleinste Mängel feststellen sollte - ein wenig mehr Farbe wäre eines -, so sei es doch empfohlen. Überaus freundliche Damen am Empfang, eine zuvorkommende Küchenchefin und ein nettes Flair. Wer also keinen großen Wert auf Luxus, sondern Praktibalität legt, ist hier gut bedient. Wenn die Bauarbeiten zur Erweiterung der angrenzenden Mall fertig sind, ist auch dieses Problem endgültig ausgestanden. Und obwohl es als City Hotel für Windhoeker Verhältnisse doch ein wenig abseits liegt, ist man innerhalb von 15 Minuten locker an der Independence Avenue, also auch dies kein Problem.
Und auch die Frage der Kriminalität sollte nicht überbewertet werden. Am hellichten Tag sollte man sicher auch vollkommen abgeschiedene Plätze meiden, aber ansonsten findet man durchaus überall Männer von der Sicherheit, die einem das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Beachtet man noch einige Grundregeln wie die Vermeidung der Sichtbarkeit von Goldketten dürfte dem vergnüglichen Stadtbummel eigentlich nichts mehr im Wege stehen und sei empfohlen. So lernt man diese kleine Stadt dann doch ein wenig besser kennen als in der Sterilität eines Autos, welches schnell mal vorbeifährt.
Da ist mir dann übrigens bereits beim Aufstehen ein Bild aufgefallen, was sich wohl in der Grundtendenz irgendwie auch in die Heimat übertragen läßt. Einer arbeitet und ungefähr zwanzig Andere schauen im aufmerksam dabei zu. Am Nachmittag war das Bild zwar ein wenig ausgeglichener, aber die das eigentlich auffällige blieb doch erhalten. Und die Wahrnehmung ist auch relativ baustellenunabhängig. Warum kam mir dieses Bild nur so bekannt vor?